Freiheit zwischen der Ukraine und Europa: unterschiedliche Erfahrungen – gemeinsame Werte
Am 13. August 2025 feierte Compango – Green Voices eine besondere Premiere: Zum ersten Mal wurde die gesamte Sendung – von der Themenauswahl über die redaktionelle Arbeit bis hin zur technischen Umsetzung – vollständig von den Mitgliedern des ukrainisch-deutschen Radioprojekts eigenständig gestaltet. Die Verantwortung für die Technik lag diesmal bei Nadiia, deren Arbeit durch das im Vorfeld erworbene Wissen aus Workshops mit ehrenamtlichen Radiomachern im Haus der Statistik möglich wurde. Diese Unterstützung ermöglichte es dem Team, nicht nur journalistisch, sondern auch technisch unabhängig zu arbeiten – ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Projekts.
Thematisch stand die Sendung ganz im Zeichen Europas – eines Begriffs, der in der Redaktion sofort zahlreiche Assoziationen weckte. Für manche ist Europa vor allem ein historisch gewachsener Kulturraum, geprägt von gemeinsamen Traditionen, Austausch und einer jahrhundertelangen Geschichte. Für andere ist es eine politische Gemeinschaft, eine supranationale Organisation, die durch ein Assoziierungsabkommen enge Partnerschaften mit der Ukraine eingegangen ist. Für viele ukrainische Mitglieder der Redaktion jedoch hat Europa noch eine zusätzliche, zutiefst persönliche Bedeutung: Es steht für Schutz und Zugehörigkeit – einen sicheren Zufluchtsort vor dem Krieg, aber auch für ein politisches Gegengewicht zur Ideologie der sogenannten „Russischen Welt“, die autoritäre Herrschaft und Unterdrückung propagiert.
Ein Begriff durchzog die Diskussionen wie ein Leitmotiv: Freiheit. Für Menschen, die vor Krieg fliehen mussten, bedeutet sie zunächst die Freiheit von Gewalt – das elementare Recht, in Sicherheit zu leben, ohne ständige Bedrohung. Doch Freiheit umfasst weit mehr: Sie beinhaltet auch die „positive Freiheit“, das eigene Leben nach individuellen Vorstellungen zu gestalten, frei von Zwang, Angst und ideologischen Beschränkungen. Diese doppelte Dimension – Schutz und Selbstbestimmung – wurde in der Sendung immer wieder hervorgehoben und mit persönlichen Perspektiven untermauert.
Die Beiträge von Sofiia und Nastja machten diese Vielfalt greifbar. Sofiia präsentierte gleich zwei Reportagen, in denen sie einerseits die europäische Idee der persönlichen Freiheit beleuchtete und andererseits Stimmen von Ukrainer*innen in Berlin einbrachte, die ihren eigenen Weg zwischen Anpassung und Bewahrung kultureller Identität finden. Nastja ergänzte dies mit einem Beitrag, der sich mit den Unterschieden in der Wahrnehmung von Freiheit zwischen der Ukraine und westeuropäischen Staaten auseinandersetzte – und dabei auch kritische Fragen nach der Umsetzung dieser Werte in der Praxis stellte.
Gesendet wurde live aus Berlin – auf 88,4 MHz in Berlin, 90,7 MHz in Potsdam sowie über DAB+. Für die Hörer*innen war dies nicht nur eine thematisch dichte, sondern auch technisch reibungslose Ausgabe, die eindrucksvoll zeigte, wie viel Kompetenz und Engagement in der Redaktion steckt.
Mit dieser selbstständig produzierten Sendung hat Compango – Green Voices eindrucksvoll bewiesen, dass interkulturelle Zusammenarbeit nicht nur auf inhaltlicher Ebene, sondern auch organisatorisch und technisch gelingen kann. Es ist ein Beispiel dafür, wie ehrenamtliche Medienarbeit Brücken zwischen Kulturen schlägt – und wie die gemeinsame Suche nach Freiheit und Würde zu einer verbindenden Kraft zwischen der Ukraine und Europa wird.